Lieber Herr Uibel,
Als ich neulich wegen des Konzertes in Wienhausen bei meinen Eltern war, fielen mir im Bücherregal Ihre beiden ersten Bände von „… und frage deine Väter“ ins Auge. Ich bat darum sie nach Kassel mitnehmen zu dürfen und habe sie innerhalb der letzen vier Tage mit wachsendem Interesse und seelischer Betroffenheit verschlungen. Im ersten Band hätte mir eine Ahnentafel die Familienverhältnisse der Richards, Wilhelms, Walters und Gustavs das Lesen sehr erleichtert, aber so nach und nach kam ich hinter die verschiedenen Beziehungen. Erschütternd ist das Schicksal Ihres Vaters in seiner depressiven Zerrissenheit, seiner hohen Moralität und Weitsicht – und damit leider auch verbundenen viel zu hohen Ansprüchen an sich selber! Wie oft wünscht sich der Leser ihm (aus heutiger Sicht) psychologische Hilfen anbieten zu wollen… Herta war eine starke Frau und hat es sicher nicht leicht gehabt mit ihrem Mann. Allein das sechsjährige Warten! (Heute wäre die Beziehung/Verlobung nach keinem Jahr beendet worden…) Aber heute – im Zeitalter der Patchworkfamilien – hätte er ja auch das Trauma „uneheliches“ Kind gar nicht entwickeln müssen.
Sie als Sohn und Chronist beschreiben sehr gut die Situation der deutschstämmigen Protagonisten in Galizien und Schlesien – die innere Zerrissenheit „wo gehören wir hin?“. Dass diese Situation einer Enklave sowohl religiös als auch sprachlich auf Dauer nicht mehr zeitgemäß war, wird aber auch deutlich. Entsetzlich, wie die Weltgeschichte mit all den unschuldigen „kleinen“ Menschen umgegangen ist! Sie sind alle mit brutalster Gewalt in ihrem ICH aufgeweckt worden. „Was muss ICH tun?“
Nun sitze ich hier und möchte wissen, wie es weiter geht mit Herta und den fünf Kindern und Bodolein, der nun den Vater (und Großvater!) ersetzen muss. (Großartiger Charakter, der Richard!).
Wie komme ich an den dritten Band?
Herzliche Grü8e von N. H., Kassel

